125 Jahre Kolpingsfamilie Legau

28.02.2021

Wer war der Namensgeber Adolph Kolping?

Adolph Kolping, geboren am 8.12.1813 in Kerpen bei Köln, stammte aus bescheidenen bäuerlichen Verhältnissen. Dem begabten Knaben blieb der erstrebte Besuch der höheren Schule verwehrt; er lernte das Schuhmacherhandwerk und arbeitete in verschiedenen Orten im Umkreis Kölns. Wachsende Unzufriedenheit mit dem eigenen Dasein erfüllte Kolping in diesen Jahren. Das geistige und soziale Elend der Handwerkergesellen ließ in ihm, der noch immer das Ziel einer höheren Bildung vor Augen hatte, immer mehr den Wunsch reifen, aus den gewohnten Lebensverhältnissen auszubrechen. Im Jahre 1837 bezog er dann die Tertia des Kölner Marzellengymnasiums, an dem er 1841 das Abitur bestand. In diesen Jahr fiel die endgültige Entscheidung über das Ziel Priester zu werden, noch freilich ohne klare Vorstellung über sein späteres Wirken. Nach theologischen Studien in München, wo er Zugang zu führenden Persönlichkeiten der katholischen Erneuerungsbewegung fand, empfing Kolping am 13.04.1845 in Köln die Priesterweihe. Seine erste Stellung erhielt er als Kaplan an St. Laurentius in Elberfeld.

Der eigene Lebensweg schien in geradezu prädestinieren, sich der vielfach gefährdeten, in schwierigen Verhältnissen befindlichen jungen Männer anzunehmen, ihnen ein Zuhause zu geben und sie zu befähigen, an der Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu arbeiten und ihre Chancen wie auch ihre Verantwortung in der Gesellschaft wahrzunehmen. Unermüdlich widmete sich Adolph Kolping in der Folgezeit die Ausbreitung seines Werkes, des katholischen Gesellenvereins.

Kurz vor seinem 52. Geburtstag starb er und fand in der Menoritenkirche in Köln seine letzte Ruhestätte.

Das Vermächtnis und geistige Grundlage des Kolpingwerkes

Kolping ging bei der Gründung seines Wirkens von der prägenden Kraft des Priesters aus. Darum verstand er sich zuerst immer als Verkünder des Glaubens nach dem Evangelium Jesu Christi. Verkündigung des Glaubens ist bei ihm aber immer gekoppelt mit sozialem Zeugnis. Für Kolping trägt der Christ also nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern gerade auch für die Welt in der er lebt. Christsein heißt für Kolping, das ganze Dasein von einem christlichen Fundament aus und mit christlicher Zielsetzung zu gestalten.

Die Gründung des kath. Gesellenvereins in Legau Ende Dezember 1894

Das Handwerk in Legau

Legau wurde im vergangenen Jahrhundert neben der Landwirtschaft stark vom örtlichen Handwerk geprägt. Wohl wenige werden wissen, dass es um die Jahrhundertwende in Legau eine Gesamthandwerkerinnung gab, in der jeder Berufsstand mit einem Meister und einem Gesellen im Ausschuss vertreten war. Diese Gesamthandwerkerinnung Legau war auch berechtigt den Gesellenbrief abzunehmen. Anton Heckler, Schuhmachermeister i. R. konnte ausführlich darüber berichten, Engelbert Sonntag besaß auch noch einen Gesellenbrief dieses Komitees. Doch noch mehr: Neben der Volksschule und Sonntagsschule gab es auch eine „Berufsschule“ vielleicht besser einen Unterricht für Lehrlinge. Diese Schule war wohl Uhrmachermeister Martin Eichele zu verdanken, der als Gewerberat in Augsburg fungierte. Zweimal wöchentlich mussten die Lehrlinge diese Schule besuchen.

Es waren wohl Gesellen auf Ihrer Walz die die Vorteile des Gesellenvereins geschmeckt haben und diese Idee nach Legau brachten. Vermutlich war auch Kaplan Andreas Ruf eine treibende Kraft bei der Gründung des Legauer Gesellenvereins. Er wird auf der Ehrentafel der Gründungsmitglieder erwähnt. Der Chronik nach, waren Legauer Gesellen bereits auf ihrer Walz Mitglied des kath. Gesellenvereins, bevor sie am 26. Dezember 1894 zu einer Gründungsbesprechung einluden. Doch lassen wir das Protokoll der damaligen Zeit erzählen:

26. Dezember 1894

Auf Anregung folgender Mitglieder des kath. Gesellenvereins Michael Enzensberger, Sattlersohn, Martin Mahle, Schmiedgeselle, Josef Pfäffle, Gerbergeselle, versammelten sich eine Anzahl Gesellen und Handwerkersöhne im Saale des Gasthauses zum Löwen um sich wegen der beabsichtigten Gründung eines kath. Gesellenvereins (Lokalvereins Legau) zu besprechen. Auch der H. H. Kaplan And. Ruf leistete der an ihn ergangenen Einladung freundlichst Folge und erschien in Begleitung des Herrn Alumens Leopold Gegler. Nachdem er den Versammelten die allgemeinen Statuten des Gesellenvereins vorgelesen und erklärt hatte, erklärten 42 Anwesende ihren Beitritt zu einem kath. Gesellenverein, dessen Gründung nun definitiv beschlossen wurde. Zugleich wurde die nächste Versammlung auf Sonntag, den 30. Dezember, anberaumt.

Erstmals Kolpingtheater

Nur kurze Zeit nach der Gründung des Gesellenvereins machten sich etliche Mitglieder auf ihrem Wunsch nachzugehen und ein Theater zu organisieren. In den ersten Jahren wurde bei jeder Gelegenheit, besonders zu Ehrenmitgliederabenden Theater gespielt. Meist kamen mehrere Einakter und Sketche zur Aufführung. Es gab noch keinen Rundfunk und erst recht kein Fernsehen, so waren die Theaterabende willkommene Abwechslung und verursachten einen großen Andrang. Meist war die Kritik hervorragend, doch wenn es etwas zu tadeln gab, so war der „Legauer Anzeiger“, heute Kirchenanzeiger in seinem Bericht durchaus kritisch. Dazu weitere Protokolleinträge:

1. Februar 1895

Herr Sägmüller Steinhauser in Wigelis beschenkte den Verein mit Brettern und Rähmlingen von ansehnlichem Werte zwecks Herstellung einer kleinen Vereinsbühne. Hierfür wird dieser Wohltäter auf Lebenszeit Ehrenmitglied des Vereins. Weitere Beihilfe zu bezeichnetem Zweck leisteten die Herren Ehrenmitglieder Engelmayer, Kutter, Weißenhorner und Sterr.

10. Februar 1895

Durch die Hilfe des hl. Josef und das eifrige Zusammenwirken der Mitglieder wurde heute das Gründungsfest mit dem glücklichsten Erfolg gefeiert. Früh ½ 8 Uhr war Generalkommunion der Mitglieder. Abends 7 Uhr Festversammlung und Theater. H. H. Präses hielt eine vorzügliche Festrede, worauf H. H. Protektor Briechle den Verein in ungemein sinnvollen Worten begrüßte und seines eifrigsten Schutzes versicherte. Die kleinen Theateraufführungen fanden überaus günstige Aufnahme, der Saal war vollständig überfüllt.

Die erste Fahne wird angeschafft

Pfingsten 1896 können wir die Fahnenweihe vermelden. Die erste Fahne wird im Pfarrhof aufbewahrt. Sie ist ziemlich verschlissen, zeigt aber immer noch prächtige Stickereien. Hier dazu wieder ein paar Protokollabschriften:

24. Mai 1896

Pfingstsonntag. – Nächste Vorbereitung zur Fahnenweihe. Nachmittags 3 Uhr treffen die ersten Festgäste ein. Kath. Gesellenverein Immenstadt und Sonthofen. Ersterer 4 Mann und letzterer 10 Mann und je mit Fahne. Abends von Leutkirch her Ravensburg mit 4, Lindau 4, Mindelheim 25, Augsburg 3, Illertissen 4 und Wangen mit 3 Mitgliedern und jeder mit Fahne. Um ½ 9 Uhr fand der Begrüßungsabend im Lokale statt. Ansprachen hielten H. H. Präses Dammrich, Senior Sonntag, Senior Kohler von Mindelheim. Durch humoristische Vorträge von verschiedenen Vereinsmitgliedern wurde der Abend sehr erheitert. Es kam auch eine Beglückwünschung zur Verlesung von Hochw. H. Präses Riedmüller vom Jugendbund Augsburg.

25. Mai 1896

Pfingstmontag und Fest der Fahnenweihe. Ein Glanz und Ehrentag in des Wortes vollster Bedeutung, sowohl für den Verein, als auch für die ganze Marktgemeinde Legau. Früh 4 Uhr verkündeten Kanonenschüsse den Anbruch des Festtages. Um 7 Uhr fand der Pfarrgottesdienst statt. Von da an trafen wieder Brüdervereine ein und wurden von Deputationen des festgebenden Vereins unter den Klängen der Musikgesellschaft Legau begrüßt. Der Patenverein Leutkirch mit 35 Mitgliedern. Memmingen mit 22, Kißlegg mit 20, kath. Arbeiterverein Altusried mit 25, Kempten mit 30 und Babenhausen mit 3 Mitgliedern mit Ausnahme des letzeren jeder mit Fahne. Um ½ 9 Uhr stellte sich der Festzug auf unter dem Kommando der freiw. Feuerwehr und in folgender Ordnung:

  1. Eine Abtl. freiw. Feuerwehr in Ausrüstung,
  2. Katholischer Gesellenverein Memmingen,
  3. Illertissen,
  4. Isny,
  5. Ravensburg,
  6. Wangen,
  7. Lindau,
  8. Augsburg,
  9. Sonthofen,
  10. Immenstadt,
  11. Babenhausen,
  12. Kempten,
  13. Altusried,
  14. Patenverein Leutkirch,
  15. Musik,
  16. Festjungfrauen,
  17. Gesellenverein Legau,
  18. H. H. Präsides und Gemeindeverwaltung,
  19. Liederkranz und Ehrenmitglieder,
  20. Veteranenverein Legau,
  21. freiw. Feuerwehr Legau mit Fahne,
  22. Eine Abtl. freiw. Feuerwehr in Ausrüstung

Um 9 Uhr zog der prachtvolle Zug ins Gotteshaus ein, worauf H. H. Pfarrer Wilh. Kösel die Festpredigt hielt über das Thema: Das ist der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube. Die herrlichen Worte machten auf Fremde und Pfarrangehörige den vorzüglichsten Eindruck. Darauf fand die Fahnenweihe ebenfalls durch H. H. Pfarrer statt und das Festamt, welches Herr Präses Dammrich zelebrierte und unter welchem vom Kirchenchor eine Messe von Horak zur Aufführung gebracht wurde. Auf der Festbühne überreichte die Fahnenjungfrau Barbara Dodel mit einem schönen, vom H. H. Vikar Gegler gedichteten Prolog die Fahne an den Fähnrich Xaver Briechle. Darauf hielt H. H. Präses Vogt von Heggelbach die Festrede, zugleich ein prachtvolles Fahnenband widmend. Sämtliche anwesenden Fahnen erhielten von den Festjungfrauen Erinnerungsbänder. Nachdem H. H. Präses Dammrich allen, namentlich dem Präses Vogt und sämtlichen erschienenen Vereinen gedankt hatte, wurde das Fahnenlied gesungen und dieser Festakt geschlossen. Nachmittags ½ 3 Uhr stellte sich der Zug nochmals auf und nachdem die Straßen des Marktes durchzogen waren, löste er sich vor der Post auf. Dortselbst fand gesellige Unterhaltung mit Vorträgen der Musikgesellschaft und des Liederkranzes Legau statt, während der Abzug der fremden Brüdervereine nach ihrer Heimat begann. Abends war noch fröhliche Schlussfeier im Lokal. Vor derselben traf ein Telegramm ein von Herrn Pfarrer Jörg in Ottakers, das folgenden Inhalt hatte: Kath. Gesellenverein in Legau Steh nun treu zu deiner Fahne – treu zu deinem Gott – treu zu deinem Glauben – treu zu der Liebe bis zum Tod.

Der Gesellenverein Legau entwickelte sich prächtig. Die folgenden Jahre waren von regem Vereinsleben geprägt. Regelmäßige Versammlungen wurden ab Mai 1896 auf jeden 1. Sonntag im Monat gelegt, wer nicht erschien, musste 10 Pfennig Strafe zahlen.

Wichtigster Tag im Vereinsjahr war in den Anfangsjahren der Josefstag am 19. März. Neben dem gemeinsamen Gottesdienst und der Generalkommunion wird schon im ersten Jahr an diesem Tag ein gemeinsames Frühstück auf Kosten des Vereins gereicht.

Heute begehen wir um den Josefstag die Mitgliederversammlung und am 1 Advent unseren Kolpinggedenktag.

Die Kolpingsfamilien- tragende Säulen des Verbandes

„Familie“ klingt für eine Organisation zunächst etwas ungewöhnlich. Aber dadurch kommt der tiefe gemeinsame Zusammenhalt und die gemeinsame Aktion zum Ausdruck. Die aktive Gruppe von Bürgern, in der man sich geborgen und stark fühlt.

Kolpingsfamilien sind der Zusammenschluss von Kolping- Mitgliedern auf Pfarreiebene.

Die Gründung der Kolpingsfamilie Legau

Am 19. November 1933 fand in Legau die Neugründung als „Kolpingsfamilie“ statt.

Während des dritten Reiches war die Arbeit der Kolpingsfamilie stark eingeschränkt, allerdings bestand die Kolpingsfamilie auch in dieser Zeit- mit kleinem Programm. Am 19. März 1946, nach sturmbewegten Kriegsjahren und lang unterbrochenen Vereinstätigkeit, fanden sich Abend halb acht, ehemalige Mitglieder und Gönner der KF Legau... in der Pfarrkirche zusammen...

Die Eröffnungsversammlung, anschließend vereinte im Löwen 52 Mitglieder, und mit Begeisterung ging man ans Werk. Mit ungebrochenem Einsatz der jeweiligen Vorstandschaften und Mitglieder wurden die verschiedensten Veranstaltungen geboten, und bis heute kann die Kolpingsfamilie Legau mit Stolz auf ein Programmangebot verweisen, das für jedermann etwas bietet.

Eine ausgezeichnete Idee hatten die Verantwortlichen der Kolpingsfamilie 1963. Erstmals wurde für die Bewohner des Altenheimes ein Ausflug mit Privatwagen angeboten, was sehr großen Zuspruch fand. Dies wurde viele Jahre durchgeführt. Das Ziel wurde vorher nicht verraten, schon wochenlang vorher rätselten die Ausflügler, wo es dieses mal wohl hingeht. Los ging es immer um 13.00 Uhr, bei der Rückkehr ca. 18.00 Uhr wurde die Fahrzeugkolonne sehnsüchtig von den Daheimgebliebenen erwartet, auch sie wollten von den Erlebnissen der Ausflügler hören. Gewählt wurden Ziele etwa im Umkreis von 60 km, gefahren wurde auf Nebenstrecken durch möglichst landschaftlich reizvolle Gebiete. Besonders geschätzt wurden die gemeinsame Einkehr und der Familienanschluss zu den Fahrern. Einer alten Tradition folgend (von Pfarrer Zimmermann so eingeführt) spendierte der Präses an diesem Tag Zigarren, die auch Nichtraucher nicht ablehnten.

In diesen Zeiten nicht mehr denkbar.

Bis heute beteiligen sich immer noch viele Mitglieder der Kolpingsfamilie beim Altenheimausflug, der heute allerdings nicht mehr mit Autos unternommen wird, sondern an diesem Ausflug fährt eine stattliche Zahl „Schieber“ mit ihren zugewiesenen Rollstuhlinsassen zu einem Ziel in der näheren Legauer Umgebung. Bei Kaffee und Kuchen untermalt vom Mayr Hansl mit dem Akkordeon, erleben die Ausflügler viele nette Stunden.

Vor 45 Jahren, also 1975 wurde erstmals die Forderung erhoben, auch Mädchen in die Kolpingsfamilie aufzunehmen. Die Kolpingssöhne schienen zwar nicht abgeneigt von dieser Neuerung zu sein, doch ein Beschluss konnte nicht gefasst werden. Einige Jahre „Bohren“ waren nötig, und praktisch bei jeder Generalversammlung stand dieses Thema auf der Tagesordnung .Bei der Generalversammlung 1980 wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht. Am 5. Mai 1980 wurden erstmals Mädchen zu einer Auflage eingeladen, am Kolpinggedenktag 1980 erfolgte dann erstmals die Aufnahme von Mädchen in der Kolpingsfamilie.

Nachdem in der Neuzeit das Handwerk nicht mehr den Stellenwert hat, wie früher, wurde „Kolping“ nach und nach offen für weitere Menschengruppen, die auf Hilfe anderer angewiesen und Schutz und Unterstützung benötigen. In den verschiedenen Altersgruppen sind gegenwärtig keinesfalls mehr nur Handwerker vertreten, sondern Männer und Frauen aus allen Berufen und allen sozialen Schichten. Im Grund kann heute jeder Mitglied des Kolpingwerkes werden, der sich mit den Zielen des Verbandes identifiziert. In der Sacharbeit zu den Bereichen “Ehe und Familie“, “Arbeit und Beruf”, “Gesellschaft und Politik” sowie “Kultur und Freizeit” findet jedes Mitglied über die Altersgruppen hinaus ein Betätigungsfeld, um das Programm Kolpings zeitgemäß zu verwirklichen.

Der Kontakt der Kolpingsfamilien untereinander spielt sich auf 4 Ebenen ab. Zunächst ist da der Bezirksverband mit jeweils ca. 10 Kolpingsfamilie. Die Kolpingsfamilie Legau gehört dem Bezirksverband Unterallgäu an. Die zweite Ebene ist der Diözesanverband. Legau gehört dem DV Augsburg an in dem über 100 Kolpingsfamilien koordiniert werden. Danach folgt der Landesverband in unserem Fall Landesverband Bayern und letztlich dann noch der Bundesverband der seinen Sitz in Köln hat.

Unter dem “Dach Kolping” entstanden auch noch:

Die Legauer Kolpingsfamilie heute

Die Kolpingsfamilie zählt derzeit 164 Mitglieder und 18 fördernde Mitglieder. Bei unseren Aktivitäten wechseln sich gesellige, religiöse, politische und andere Bereiche ab. Unter dem Namen „Kolping-Bühne“ finden das Kolping-Theater, Musikevents, Kleinkunst, Varieté und viele weitere Aktionen statt.

Weiter finden seit vielen Jahren im gleichbleibenden Rhythmus Altpapier und Gebrauchtkleidersammlungen statt, deren Erlös voll sozialen Zwecken zukommt. Kirchliche Veranstaltungen sind gestaltete Kreuzwegandachten, Maiandacht in Greiters, Messe am Kolpingkreuz beim Postkeller, Bergmesse auf dem Gaishorn, gestalteter Weltmissionssonntag, Oktoberrosenkranz und Kolpinggedenktag.

Sehr stolz sind wir auf unseren Kolpingchor, der sich aus sangesfreudigen Mitgliedern geformt hat. Der Kolpingchor ist ein reiner Eventchor und bietet somit allen die Möglichkeit eines Chorerlebnisses, die sich nicht regelmäßig in Chorproben einbringen können.

Vorträge verschiedenster Themen, Betriebsbesichtigungen, Stadtführungen und Museumsbesuche gehören auch jedes Jahr zu unserem Jahresprogramm.

Auch Geselliges wie Grillfeste, Schafkopfmeisterschaft, Altenheimausflüge, Fahrradrallyes finden immer wieder statt.

Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass zu allen Veranstaltungen natürlich auch Nichtmitglieder herzlich willkommen sind. Wir beißen nicht.

125 Jahre Kopingstheater Legau

28.02.2021

Das Kolpingstheater- es ist zwar keine Extra Abteilung, doch hat sich dieser Name in den vergangenen Jahren so eingebürgert- kann ebenfalls auf eine 125jährige Tradition zurückblicken. Theateraufführungen waren in allen 125 Jahren immer die größten Veranstaltungen. Das Gerenne um Karten gab es nicht nur in der Neuzeit, schon vor 125 Jahren gab es Ärger, wenn nicht mal alle Ehrenmitglieder am ersten Abend Einlass fanden.

Die erste Theateraufführung fand auf der eigenen Bühne im “Löwen” am 10 Februar 1895 statt, am 14. Februar mussten “auf Verlangen “ die Aufführungen wiederholt werden. In den ersten Jahren wurde bei jeder Gelegenheit, besonders zu Ehrenmitgliederabenden, vom Gesellenverein Theater gespielt. Die Tradition, in der Weihnachtszeit Theater zu spielen, reicht auch in das Gründungsjahr zurück. Zwar wurden, wie bereits erwähnt, anfangs mehrmals jährlich Theater gespielt, doch schon 1895 fand auch an Weihnachten eine Aufführung statt. Die Weihnachtsaufführungen wurden nur in den Kriegsjahren 1947- 1917 und 1939- 1946 unterbrochen. Die erste Aufführung nach dem 1. Weltkrieg war an Weihnachten 1918, nach dem 2. Weltkrieg ging an Pfingsten 1947, als das 50. Gründungsfest nachgefeiert wurde, der “Hauptmann Jaguar” über die Bühne. Schon ab Weihnachten 1947 wurde wieder der Weihnachtsrhythmus der Aufführungen eingeführt.

Von Anfang an waren die Theateraufführungen wesentliche Stütze der Vereinskasse. 1896 blieben 400 Mark Reingewinn. Nur selten gab es Minus. Im April 1900 wurde “Garcia Morenos Tod” mit 30 Mitwirkenden aufgeführt. 577 Mark Ausgaben standen nur 340 Mark Einnahmen gegenüber. Trotzdem gab es zum Dank für die Spieler 35l Freibier.

Dafür war an Weihnachten 1920 alles überfüllt, viele Ehrenmitglieder fanden keinen Einlass. Es gab riesen Beifall.

Bau der Vereinsbühne im Löwen

Der Ausschuss zusammen mit dem Schutzvorstand beschloss, eine Bühne in den Löwensaal einzubauen. Mit Gastwirt Ludwig Kramer war man sich schnell einig. Probleme gab es, wer die Bühne machen solle. Präses Steininger und Benefiziat Greinwald wollten die Bühne von einer Firma in München liefern lassen, Die Kolpingsöhne wollten sie selber bauen.
Diese Bühne wurde später an Ludwig Kramer übereignet, da in der Nazizeit die kath. Kolpingsfamilie kein Eigentum haben durfte.

Laientheater im Aufwind

Einen erstaunlichen Aufschwung nahmen die Laientheater in den 80er Jahren. Neue Spielgruppen schossen wie die Pilze aus dem Boden. Vom Aufschwung allgemein profitierte auch unser traditionsreiches Kolpingtheater. Die Besucherzahlen stiegen laufend an, 1980 kamen bereits über 3000 Zuschauer in den Löwensaal. Höhepunkt in dieser Entwicklung war die Saison 1983/84, wo bei dem Stück “Der Müde Theodor” bei 15!! Aufführungen in Legau 5700 Zuschauer und dazu noch bei einer Aufführung im Stephanuswerk in Isny 350 Gäste zu verzeichnen waren. Etwa seit 1980 war das Legauer Kolpingstheater das bestbesuchte Laientheater (ausgenommen Freilichtbühne) in Schwaben. Im Jahr 1984 bei der “Fischpredigt” wirkten erstmals lebende Tiere, ein Hund, eine Gans und eine Henne mit.

Die großen Erfolge des Kolpingtheaters waren natürlich nur dank der hervorragenden Gemeinschaftsleistung möglich. Es sind nicht nur die Spieler, sondern auch alle im Hintergrund Wirkenden, die den Erfolg möglich machen. Dazu gehören eben die Bühnenbauer, der Regisseur, Kulissenmaler, Schminkmeister, Souffleuse, der Beleuchter und Techniker oder auch Garderobenpersonal und Stuhlrücker.

Die Neuzeit

Da die Arbeiten zur Organisation des Theaters immer umfangreicher wurden, beschloss die Vorstandschaft der Kolpingsfamilie Legau im Jahr 1992 die Gründung des “Arbeitskreis Theater”. Nachdem in den 80er und 90er Jahren das Legauer Kolpingstheater eine absolute Hochzeit hatte, und damals jahrelang eines der bestbesuchten Laientheater in Schwaben war, wurde die Konkurrenz in den Folgejahren immer größer. Fast in jedem Ort wurde und wird von einem oder mehreren Vereinen Theater gespielt, oft auch an den Terminen, an denen in Legau gespielt wurde. Die Stückauswahl gestaltete sich nun auch immer schwieriger, doch wurden immer wieder super Stücke gefunden. So wurden in den Jahren 1985 bis 1995 sogenannte “Millowitsch-Stücke” zu den größten Erfolgen, weil diese Stücke damals zuvor kaum von anderen Laientheatern in unserer Gegend gespielt wurden.

Zu mancherlei Leidwesen wurden nun mehr moderne Komödien und keine bäuerlichen Stücke mehr gespielt, was aber dem Erfolg des Legauer Kolpingtheaters keinen Abbruch tat. Der Stil des “Komödienstadels” in seiner einstigen Form, mit Bauernschwank und Blasmusik war in die Jahre gekommen.

Besonders erfreulich war, dass das Theater mit Heinrich Kink einen langjährigen Regisseur gefunden hatte , der in vielen aufeinander folgenden Jahren die Spielleitung übernahm. Seine große Stärke war die Detailverliebtheit und die Fähigkeit, aus jedem Schauspieler das Beste heraus zu kitzeln. Auch beim Thema Rollenbesetzung konnte er glänzen. So fand er über Jahre genau für diese und jene Rolle die perfekte Besetzung. Es kamen verstärkt lustige und verzwickte Verwechslungsgeschichten zur Aufführung.

So ab dem Jahr 2013 kam eine etwas holprige Zeit des Kolpingtheaters, was unter anderem auch mit der, sich veränderten Situation unseres Theaterlokales “Löwen” zu tun hatte.

Der in die Jahre gekommene Saal und die dazu gehörigen Räume und sanitäre Anlagen waren in dieser Zeit leider nicht mehr wirklich vorzeigbar, was aber wiederum dem Erfolg der Theateraufführungen nicht schadete.

Der allgemeine Trend, Fernseher, Kino, Filmstreaming und Bespaßung zu Hause führten allerdings dazu, dass die Besucherzahlen zurück gingen.

Es zeichnete sich ab, dass inzwischen mit dem Theaterbetrieb an sich, die Kosten nicht mehr gedeckt werden konnten. Nur in Verbindung mit Bewirtung der Kolpingsfamilie selbst, konnte in den letzten Jahren kostendeckend Theater gespielt werden.

Ein absoluter Tiefpunkt war dann natürlich im letzten Jahr der Abbruch des Gasthof Löwen.

Es ist unvorstellbar, wie viele Theateraufführungen, sogenannte “Auflagen”, Filmabende, Ehrenmitgliederabende, Jubiläumsveranstaltungen, Mitgliederversammlungen und gesellige Stunden der Kolpingsfamilie in diesen ehrwürdigen Hallen stattgefunden haben. Im Gasthof Löwen wurde ein großer Teil Legauer Geschichte geschrieben.

Nachdem nicht abzusehen war, wie lange ein Neubau eines Veranstaltungssaales dauert, unternahm der im Jahr 2019 neu gegründete Arbeitskreis Theater, jetzt “Kolping Bühne”, die Planung des Kolpingtheaters 2019/2020. Diese Aufführungen kamen erstmals in der Geschichte der Kolpingsfamilie Legau außerhalb des Löwen im Rapunzelsaal zu Stande. In Erinnerung an die Anfangszeiten des Theaters wurden drei Einakter aufgeführt. Die hohen Zuschauerzahlen zeigten, dass das Interesse am “Legauer Kolpingstheater” nach wie vor hoch ist.

Leider wurde die Weiterführung der Theatertradition 2020 durch die Corona Pandemie gestoppt.

In Erwartung der Fertigstellung des neuen Gemeindesaales und der damit neu verbundenen Möglichkeiten, sind die Aussichten auf einen regelmäßigen Abhalt des Legauer Kolpingtheaters sehr gut.

Wir schauen sehr optimistisch in die Zukunft.